#refugeeswelcome

Das Flüchtlingsthema ist zur Zeit allgegenwärtig und auch mich berührt es immer wieder zutiefst. Diese Woche sind am Münchener Hauptbahnhof Tausende Flüchtlinge angekommen und haben eine Welle an Spenden und Engagement ausgelöst.

Auch wir wollten etwas tun. Also h
abe ich mir die Bedarfslisten der Diakonia für Privatspender angeschaut und habe den Keller und unsere Wohnung nach brauchbaren Sachen durchsucht. Ich habe beschlossen, dass mein Kind keine 10 Malbücher oder 25 verschiedene Pakete Stifte braucht, die sie regelmäßig von Verwandten und Bekannten geschenkt bekommt. Natürlich würden sie irgendwann benutzt aber die Kinder aus Ländern mit Krieg und Elend können sie viel dringender gebrauchen. Ich habe Shampoo und Duschgel zusammen gesammelt und sorgfältig Kleidungsstücke ausgewählt, die dem Wetter und den Bedarfslisten entsprechen. Mir ist aufgefallen wie viel wir einfach haben. Wir hier in Deutschland und Europa haben eigentlich alles und davon immer viel, egal wie viel gejammert wird, vor allem wenn man es mit jemandem vergleicht, der alles zurücklassen musste und nun wirklich nicht mehr hat als die Kleider, die er gerade trägt.FullSizeRender

Unserer Kleinen haben wir erklärt, was ich mache und gesagt, dass andere Kinder sich freuen wenn sie etwas von ihren vielen Sachen abgibt. Sie hat enthusiastisch mit ausgewählt, was wir spenden können.

Heute haben wir uns auf den Weg zur Dachauer Str. gemacht und unsere Kleine war voller Vorfreude, dass sie nun endlich die Sachen anderen Kindern geben durfte. Als wir ankamen, sagte man uns, dass es keine Kapazität für weitere Spenden gäbe. Die Frau mit der ich redete war vollkommen aufgebracht und sprach von einer „Spenden-Hysterie“, die durch die Flüchtlinge am Hauptbahnhof ausgelöst wurde. Sie sagte in München selbst gäbe es gar nicht genug an die sie die Sachen geben könnten. Außerdem hätte man nicht genug Lagerräume. (Ich bin froh, dass so viele Menschen dort ehrenamtlich helfen und bin ihr nicht böse, dass sie ihre aufgestaute Wut in einer leidenschaftlichen Rede an mir ausließ. Aber ich bin etwas enttäuscht von den Verantwortlichen: Sollte es für einen solchen Spendenüberfluss nicht ein zentrales Verteilsystem für alle Flüchtlingsheime in Bayern oder sogar Deutschland geben, sodass nicht nur in München ankommende von der Großzügigkeit der Münchner profitieren?)

Am Schlimmsten an dieser Aktion war aber nicht, dass wir abgewiesen wurden oder dass wir uns irgendwie gefühlt haben als wäre unser Bedürfnis zu helfen falsch, sondern die Reaktion unserer zweijährigen Tochter. Immer wieder hat sie gefragt wo denn nun die anderen Kinder sind und warum wir ihnen unsere Sachen nicht geben können (es war wohl mein Erklärungsfehler, dass sie dachte wir geben den Kindern unsere Sachen direkt in die Hand). Wir haben ihr erklärt, dass die Kinder woanders untergebracht sind und dass diese Annahmestelle keinen Platz mehr hat. Sie hat gefragt wo diese Kinder wohnen auch das haben wir so gut es geht versucht zu erklären. Sie hat gefragt warum diese Kinder in Turnhallen und Zelten schlafen. Wir haben gesagt, dass sie auf der Suche nach einem neuen Zuhause sind. Sie hat gefragt ob es so ähnlich sei wie als wir umgezogen sind. Ja, ein bisschen. Aber warum haben die Kinder keine Sachen? „Weil sie keine Zeit hatten und keinen Platz um ihre Sachen mitzunehmen.“ „Warum?“ Und weil wir immer versuchen ihr alles so sachlich wie möglich zu erklären, hat der Papa geantwortet: „Weil da wo sie herkommen Krieg ist“ und ich hatte Tränen in den Augen und einen Kloß im Hals und konnte nicht antworten als sie wieder fragte: „Warum?“

Ich bin froh, dass sie mit zwei noch nicht weiß was das Wort „Krieg“ bedeutet aber die Vorstellung, dass so viele Kinder, die in Deutschland ankommen schon mit zwei oder drei genau wissen was das ist, schnürt mir die Kehle zu…

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